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Wir gratulieren den Hamburger Freidenkerinnen und Freidenkern und dem Landesverband Nord herzlich zur Wiedergründung des Verbandes vor 65 Jahren, am 24.12.1945. Die Nordlichter waren damit Pioniere der Freidenkerbewegung, andere Landesverbände folgten erst 1949, und am 17. 3. 1951 konstituierte eine Generalversammlung in Braunschweig auf Ebene der BRD den Gesamtverband neu. Dass die Hamburger Genossinnen und Genossen ausgerechnet den „Heiligen Abend“ 1945 als Termin für die Wiedergründung auswählten, war wohl damals bereits zur Erheiterung folgender Generationen gedacht.
Die bleibende Bedeutung dieses Datums für Freidenkerinnen und Freidenker in ganz Deutschland liegt aber in der Tatsache begründet, dass damit die Befreiung von der faschistischen Terrorherrschaft in Deutschland für die Freidenkerbewegung manifest wurde. Die gnadenlose Verfolgung von Kommunisten und Sozialdemokraten, von Gewerkschaften und den Organisationen der Arbeiterbewegung durch die vom Großkapital an die Macht gebrachte Hitler-Bande war beendet.
Bereits im Mai 1932 wurde der Verband proletarischer Freidenker Deutschlands noch von der Reichsregierung Brüning, im März 1933 der Deutsche Freidenker-Verband von der NSDAP-geführten Regierung verboten. Die SA stürmte das Berliner Freidenkerhaus, raubte das Vermögen des Verbandes, die Tätigkeit des Verbandes wurde verboten und viele Funktionäre und Mitglieder verhaftet.
Max Sievers, Vorsitzender des DFV, konnte nach Schutzhaft zunächst ins Saarland, und nach dessen Anschluss ans Deutsche Reich nach Frankreich entkommen. Von dort wie auch u. a. aus der Schweiz, Schweden und Belgien publizierte er unermüdlich für den antifaschistischen Widerstand, u. a. mit der Herausgabe von „Freies Deutschland“. Am 3. Juni 1943 wurde er nach deutscher Besatzung Belgiens an der französischen Grenze verhaftet und zum „Volksgerichtshof“ Roland Freislers nach Berlin verschleppt. Am 17. November 1943 wurde Max Sievers wegen „Vorbereitung zum Hochverrat, der Verbreitung von Hetzschriften und der Begünstigung von Feinden des Reiches“ zum Tode verurteilt. Am 17. Januar 1944 wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden mit dem Fallbeil ermordet.
Verfolgung und Widerstand gehören unauslöschlich zum Erbe der Freidenkerbewegung. Für alle im DFV organisierten Freidenker bleibt das Leben und Wirken Max Sievers Vermächtnis und Verpflichtung, und entsprechend verpflichtend - und unteilbar - auch der Schwur "Nie wieder Faschismus - nie wieder Krieg!". Deshalb kämpfte der Freidenker-Verband nach 1945 gegen die Remilitarisierung und Spaltung Deutschlands, engagierte sich gegen die Notstandsgesetze und in der Ostermarschbewegung. Wir protestierten und protestieren gegen die NATO-Aggression 1999 zur Zerstörung Jugoslawiens und alle völkerrechtswidrigen Kriege der „Neuen Weltordner“, die Besetzung des Iraks, Afghanistans, Palästinas und des Balkans.
Gerade in diesen Tagen unterstreichen wir eine weitere zentrale Lehre aus der Niederlage der Arbeiterbewegung gegen den deutschen Faschismus: die Absage an jeden Antikommunismus, dieser Grundtorheit unseres Jahrhunderts. Dass diese Lehre heute weitgehend unbekannt zu sein scheint, könnte daran liegen, dass im Grunde noch immer die gleichen Kräfte das Sagen haben, die einst Hitler an die Macht schoben. Hitler war für sie nur eine besonders brutale Variante ihrer eigenen Herrschaftssicherung, aber immerhin eine Lebensversicherung für den Imperialismus. Diese Wahrheit soll vergessen und nicht ausgesprochen werden. Dafür haben die Herrschenden ein umfangreiches ideologisches Waffenarsenal angelegt, einschließlich einer umfangreichen Bewusstseinsindustrie zwecks Beherrschung der Köpfe.
Deshalb betrachten Freidenker heute ihre zentrale Aufgabe in der Aufklärung, um Gehirnwäsche und Volksverdummung zu entlarven und um Menschen ein Forum zu bieten, die sich gegen Manipulation wehren und dem „Mainstream“ widerstehen wollen. Wir unterstützen die Kämpfe für das Recht auf Arbeit, Bildung und Ausbildung, gegen die Bereicherung der Besitzenden und gegen die Armut, für die Verteidigung der Menschenwürde. Wir wenden uns gegen den wuchernden Überwachungsstaat, antikommunistische Geschichtsfälschung, Antisemitismus und islamophoben Rassismus. Wir treten für die Solidarität mit unterentwickelt gehaltenen Ländern und mit Befreiungsbewegungen ein, gegen die Plünderung des Planeten und die Zerstörung der ökologischen Lebensgrundlagen. Wir wollen alle Formen der Ausbeutung, Unterdrückung und Entfremdung abschaffen und eine solidarische Gesellschaft freier und gleichberechtigter Menschen aufbauen helfen.
Wir schätzen die Beiträge des Landesverbandes Nord zu diesen Kämpfen und wir freuen uns auf weitere gemeinsame Erfolge.
Klaus Hartmann Vorsitzender
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